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Kultur und Bildung

13.04.2017 - Artikel

Stand: Juni 2018

Bolivien hat eine vielfältige und facettenreiche Kulturlandschaft. Sie wird beeinflusst  von einer Vielzahl andiner indigener Hochkulturen, der spanischen Kolonialzeit bis hin zu modernen Kulturströmungen in Musik, bildenden Künsten, Malerei und Literatur.

Lt. Zahlen des bolivianischen Statistikamtes INE (Instituto Nacional Estadatistica), beläuft sich die Analphabetenrate innerhalb der Altersgruppe 15 Jahre und älter in 2016 auf ingesamt 8,24 %, wobei sie unter der männlichen Bevölkerung bei 3,89 % und bei den Frauen in dieser Altersgruppe bei 12,27 % liegt. . Die Regierung hat zudem mit weiteren bildungs- und sozialpolitischen Maßnahmen der Benachteiligung der indigenen Bevölkerung entgegengewirkt. Die politische Wertschätzung der indigenen Kulturen und ihrer Sprachen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht, das Selbstbewusstsein der indigenen Ethnien ist erheblich gestiegen.

Trotz mehrerer Bildungsprogramme und Verbesserungen der Ausstattung und Infrastruktur leiden die öffentlichen Schulen, besonders auf dem Lande, weiterhin unter materiellen, fachlichen und personellen Defiziten. Das seit Ende 2010 bestehende Bildungsgesetz strebt eine stärkere Vereinheitlichung der Bildungsstandards unter staatlicher Kontrolle an. Insbesondere Privatschulen (v.a. auch ausländische) leiden unter den neuen Regelungen. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass alle Schüler Unterricht in einer der drei indigenen Sprachen Aymara, Quechua und Guarani erhalten müssen. Die 2012 begonnene Umsetzung einer  landesweiten Reform der Lehrpläne ist  bis dato nicht abgeschlossen. Die Reform führt bisweilen zu Konflikten der deutschen Auslandsschulen sowie PASCH-Schulen mit dem Bildungsministerium. So leiden insbesondere Privatschulen (v.a. auch ausländische) unter den neuen Regelungen, weil die dort vorgesehenen, zum Teil stark ideologisch geprägten Vorschriften häufig mit den klassischen, an internationalen Standards orientierten Lehrplänen dieser Schulen kollidieren.

Qualifizierte Absolventen studieren bevorzugt in Europa, den USA oder benachbarten lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Chile, Mexiko). Ein 2015 von der bolivianischen Regierung aufgesetztes Stipendienprogramm zielt darauf ab, bolivianische Experten an den besten Universitäten weltweit ausbilden zu lassen.

In den größeren Städten Boliviens findet, trotz begrenzter Finanzmittel, ein reges Kulturleben statt. La Paz ist 2018 iberoamerikanische Kulturhauptstadt. Die internationale Gemeinschaft (besonders aktiv: Spanien, Frankreich, Deutschland) fördert ein breites Spektrum von Kulturveranstaltungen. Im April 2018 fand wieder das in einem zwei-jährigen Rhythmus durchgeführte und international bekannte Festival der Barockmusik in den jesuitischen Missionen der Chiquitania (Departamento Santa Cruz) statt, bei welchem auch in diesem Jahr deutsche Musiker aufgetreten sind. Die von der staatlichen Kulturstiftung geförderten Museen u.a. in La Paz, Potosí und Sucre bieten ein interessantes Angebot an Ausstellungen v.a. zur reichhaltigen prä- und postkolonialen Geschichte des Landes. Auf lokaler Ebene bieten diverse Kulturvereine und lokalstaatliche Institutionen ein reichhaltiges Angebot an Filmvorführungen, Konzerte und Folkloreveranstaltungen an. Stärker als vorherige Regierungen knüpft dabei die jetzige Staatsführung an die vorkoloniale Zeit an - ein Tribut an den starken indigenen Bevölkerungsanteil Boliviens. Deutschland ist mit einem Goethe Institut, mehreren Kulturzentren zwei deutschen Auslandsschulen in La Paz bzw. Santa Cruz und fünf weiteren PASCH-Schulen in La Paz, Cochabamba, Oruro, Santa Cruz und Sucre kulturell in Bolivien vertreten.

Bolivien ist geprägt von einer pluralistischen, mannigfaltigen Medienlandschaft. Wichtigste Informationsquellen sind Radio und TV, Printmedien nehmen eine vergleichsweise geringere Rolle ein. Neben i.d.R. 2 – 3 Lokalzeitungen in den wichtigsten Städten des Landes existieren auch einige wenige überregionale Zeitungen. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist grundsätzlich gegeben, allerdings sehen sich regierungskritische Medien zunehmend unter Druck gesetzt.

Soziale Medien spielen in der relativ jungen, technik-affinen, bolivianischen Gesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle. Neben Informationsgewinnung und –austausch dienen sie auch als Organisationswerkzeug und Koordinierungsinstrument für die Organisationen der Zivilgesellschaft. Die Regierungspartei Movimiento al Socialismo (MAS) hat kürzlich angekündigt, eine eigene Gruppe von „Cyberaktivististen“ auszubilden, um in den sozialen Medien „die Wahrheit“ zu verbreiten und die „Opposition Lügen zu strafen“.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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