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Kultur und Bildung

13.04.2017 - Artikel

Stand: Dezember 2017

Bolivien hat eine vielfältige und facettenreiche Kulturlandschaft. Sie wird beeinflusst  von einer Vielzahl andiner indigener Hochkulturen, der spanischen Kolonialzeit bis hin zu modernen Kulturströmungen in Musik, bildenden Künsten, Malerei und Literatur.
Während der Regierung von Präsident Evo Morales gelang es die Analphabetenrate Boliviens  von 13,28% der Bevölkerung in 2001 auf 2,9% in 2016 zu senken. Bolivien steht damit an vierter Stelle unter den Ländern mit der geringsten Analphabetenrate in Südamerika. Die Regierung hat zudem mit weiteren bildungs- und sozialpolitischen Maßnahmen der Benachteiligung der indigenen Bevölkerung entgegengewirkt. Die politische Wertschätzung der indigenen Kulturen und ihrer Sprachen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht, das Selbstbewusstsein der indigenen Ethnien ist erheblich gestiegen.
Trotz mehrerer Bildungsprogramme und Verbesserungen der Ausstattung und Infrastruktur leiden die öffentlichen Schulen, besonders auf dem Lande, weiterhin unter materiellen, fachlichen und personellen Defiziten. Das seit Ende 2010 bestehende Bildungsgesetz strebt eine stärkere Vereinheitlichung der Bildungsstandards unter staatlicher Kontrolle an. Insbesondere Privatschulen (v.a. auch ausländische) leiden unter den neuen Regelungen. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass alle Schüler Unterricht in einer der drei indigenen Sprachen Aymara, Quechua und Guarani erhalten müssen. Eine landesweite Reform der Lehrpläne ist seit 2012 in der Umsetzungsphase. Die Reform führt bisweilen zu Konflikten der deutschen Auslandsschulen sowie PASCH-Schulen mit dem Bildungsministerium. Qualifizierte Absolventen studieren bevorzugt in Europa, den USA oder benachbarten lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Chile, Mexiko). Ein 2015 von der bolivianischen Regierung aufgesetztes Stipendienprogramm zielt darauf ab, bolivianische Experten an den besten Universitäten weltweit ausbilden zu lassen. 
In den größeren Städten Boliviens findet, trotz begrenzter Finanzmittel, ein reges Kulturleben statt. La Paz ist 2018 iberoamerikanische Kulturhauptstadt. Die internationale Gemeinschaft (besonders aktiv: Spanien, Frankreich, Deutschland) fördert ein breites Spektrum von Kulturveranstaltungen. 2018 findet wieder das in einem zwei-jährigen Rhythmus durchgeführte und international bekannte Festival der Barockmusik in den jesuitischen Missionen der Chiquitania (Departamento Santa Cruiz) statt, bei welchem regelmäßig auch deutsche Musiker auftreten.  Die von der staatlichen Kulturstiftung geförderten Museen u.a. in La Paz, Potosí und Sucre bieten ein interessantes Angebot an Ausstellungen v.a. zur reichhaltigen prä- und postkolonialen Geschichte des Landes. Auf lokaler Ebene bieten diverse Kulturvereine und lokalstaatliche Institutionen ein reichhaltiges Angebot an Filmvorführungen, Konzerte und Folkloreveranstaltungen an. Stärker als vorherige Regierungen knüpft dabei die jetzige Staatsführung an die vorkoloniale Zeit an - ein Tribut an den starken indigenen Bevölkerungsanteil Boliviens. Deutschland ist mit einem Goethe Institut, mehreren Kulturzentren zwei deutschen Auslandsschulen in La Paz bzw. Santa Cruz und fünf PASCH-Schulen kulturell in Bolivien vertreten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung