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Beziehungen zu Deutschland

13.04.2017 - Artikel

Stand: Mai 2018

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen sind gut: Seit dem Besuch von Präsident Evo Morales in Berlin und Hamburg mit einer bedeutenden Ministerriege im November 2015 herrscht ein relativ reger Besuchsaustausch zwischen beiden Ländern. Im Januar 2016 und März 2017 reiste StS Bomba (BMVI) mit einer Unternehmerdelegation nach Bolivien. Ende März 2017 fanden außenpolitische Konsultationen mit Bolivien statt. Im Juli 2017 besuchte der Vizeminister für Energiehochtechnologie, Luis Alberto Echazú, mehrere Städte in Deutschland. Umweltminister Carlos Ortuño nahm für Bolivien an der Umweltkonferenz COP 23 Anfang Dezember 2017 in Bonn teil. Deutschland wird von Bolivien als wichtiger Partner bei der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes angesehen, insbesondere im Infrastruktur- und Energiebereich,  sowie bei der Industrialisierung seiner gewichtigen Lithiumvorkommen.

Wirtschaft

Bolivien exportiert überwiegend mineralische Rohstoffe (Blei-, Zinn-, Silbererze) und landwirtschaftliche Produkte (Nüsse, Kaffee, Sojaprodukte, Quinua und Hirse) sowie Leder- und Textilwaren nach Deutschland und importiert Maschinen, Haushaltsgeräte, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische und pharmazeutische Produkte, Elektrotechnik sowie Mess- und Regeltechnik aus Deutschland. Das Investitionsschutzabkommen von 1997 wurde von Bolivien im Mai 2013 einseitig gekündigt, die Schutzwirkungen für bestehende Investitionen gelten allerdings noch 20 Jahre fort. Dennoch existieren in Bolivien für die deutsche Wirtschaft interessante Investitionsmöglichkeiten, vor allem im Infrastrukturbereich (Schiene und Straße), Energiesektor (herkömmlich und erneuerbar), Gesundheitssektor und bei der Lithiumgewinnung inkl. Batterieherstellung und der chemischen Industrie. Präsident Morales ist an qualitativ hochwertiger Technologie und an Technologietransfer sowie Berufsbildungsexport interessiert und betrachtet Deutschland als wichtigen Partner für die Modernisierung des Landes.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Bolivien betrug im Jahr 2017 rund 326 Mio. EUR. Bolivianische Exporte nach Deutschland lagen bei 160 Mio. EUR; bolivianische Importe aus Deutschland bei 166 Mio. EUR. Importiert wurden aus Deutschland v.a. Maschinen, Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische Erzeugnisse, sowie Mess-, Regel- und Elektrotechnik. 2017 konnte erneut ein Anstieg der bolivianischen Exporte nach Deutschland sowie deutscher Importe nach Bolivien beobachtet werden.  Deutschland verzeichnet gegenüber Bolivien einen leicht positiven Außenhandelssaldo. Die deutsch-bolivianische Handelskammer ist die größte bilaterale Handelskammer vor Ort, sie feierte 2015 ihr 60-jähriges Bestehen.

Entwicklungszusammenarbeit

Bolivien - das bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen zweitärmste Land Südamerikas - ist als Kooperationsland derzeit einer der größten Pro-Kopf-Empfänger deutscher bilateraler Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Südamerika. Die Gesamtleistung der deutschen EZ seit Beginn der 1960er Jahre beläuft sich auf über eine Milliarde Euro. Bei den letzten Regierungsverhandlungen im Mai 2017 konnten für einen Zweijahreszeitraum Neuzusagen in Höhe von insgesamt rund 48 Millionen Euro gemacht werden.

Die drei Schwerpunkte der EZ mit Bolivien sind Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung, nachhaltige ländliche Entwicklung und Umwelt sowie Energie mit Fokus auf erneuerbare Energie und Energieeffizienz. Dezentralisierung, Umwelt- und Klimaschutz, Gender- und Indigenenorientierung sowie Berufsbildung sind wichtige Querschnittsthemen. Die Unterstützung Boliviens zur Umsetzung der Agenda 2030 der UN Entwicklungsziele ist Leitmotiv der bilateralen EZ.

Die deutsche EZ ist auf mittel- und langfristige Strukturwirkungen auf Grundlage der Verfassung von 2009 angelegt. Partnerorientierung und die Förderung demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen sind handlungsleitend für die deutsche EZ. Deutschland unterstützt insbesondere die Bemühungen der bolivianischen Regierung, Armut zu bekämpfen, die politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe zu stärken und die Widerstandsfähigkeit gegen die - Bolivien besonders stark betreffenden - Folgen des Klimawandels zu erhöhen.

Über die drei Schwerpunkte der staatlichen Zusammenarbeit hinaus verfügt die deutsche EZ über ein breites Spektrum der Zusammenarbeit mit nicht-staatlichen Akteuren, der Privatwirtschaft und zwischen Kommunen. Zudem hat die Botschaft einen Fonds zur Finanzierung von Kleinstprojekten sowie Mittel zur Finanzierung von kleinen Klimaschutz- und Menschenrechtsprojekten.

Die deutsche EZ ist Teil der gemeinsamen Strategie der EU und ihrer in Bolivien aktiven Mitgliedsländer inkl. der Schweiz („Estrategia Europea Conjunta, 2017-2020“), um die Effizienz und Kohärenz sowie die politische Wirksamkeit der europäischen Entwicklungszusammenarbeit weiter zu verbessern.

Darüber hinaus, ist Deutschland ebenfalls Mitglied der GruS (Grupo de Socios para el Desarrollo de Bolivia). GruS besteht aus 23 Mitgliedern und ist eine Plattform der bilateralen, zwischenstaatlichen und multilateralen Kooperation.

Kultur und Bildung

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Bolivien gehen zurück auf die erste große Migrationswelle deutscher Kaufleute und Handwerker Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Die Deutsche Kulturgemeinschaft (Centro Cultural Alemán) besteht seit über 100 Jahren (Gründungsjahr 1914)  In 2014 feierten  Goethe-Institut seine 60-jährige Präsenz in Bolivien und die PASCH-Schule Ave Maria in La Paz den 50. Jahrestag ihrer Gründung. Die bilaterale Handelskammer wurde 1955 gegründet. Zwischen der Hauptstad La Paz und der Bundesstadt Bonn besteht eine sehr aktive Städtepartnerschaft.

Die Kulturbeziehungen mit Bolivien werden von dem Goethe-Institut in La Paz und den deutsch-bolivianischen Kulturgesellschaften in Santa Cruz, Cochabamba und Sucre gefördert. Es gibt insgesamt sieben PASCH-Schulen in Bolivien, je eine deutsche Auslandsschule in La Paz und  Santa Cruz, sowie drei DSD- und zwei FIT-Schulen in La Paz, Oruro, Sucre und Cochabamba. Die Duale Ausbildung zum Außenhandels- oder Industriekaufmann, die die Deutsche Schule La Paz und die deutsch-bolivianische Industrie- und Handelskammer gemeinsam anbieten, besteht seit über 25 Jahren. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) unterstützen die Zusammenarbeit im universitären Bereich. Es gibt zahlreiche Kooperationen zwischen deutschen und bolivianischen Universitäten. Seit 2013 besteht ein DAAD-Lektorat in La Paz.

Deutschland leistet maßgebliche Unterstützung beim Erhalt und der Restaurierung des kulturhistorischen Erbes des Landes aus Mitteln des Programms "Kulturerhalt". In den letzten Jahren wurden aus diesen Mitteln die Wandgemälde im Konvent Santa Clara in Sucre restauriert und die Renovierung der Kirche Yunguyo finanziert. Weiterhin wurden Projekte zum Erhalt der Guaraní-Kultur und einer archäologischen Stätte bei Peñas gefördert. 2016 wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amts die Digitalisierung historischer Fotographien aus Bolivien aus dem Archiv des Leibniz-Institutes für Länderkunde in Leipzig ermöglicht. 2019 sollen sie gemeinsam mit dem  nationalen Ethnografie – und Folkloremuseum Boliviens ausgestellt werden.

Daneben unterstützen die deutsche Botschaft in La Paz und das Goethe-Institut eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen in Bolivien in den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Kunstausstellungen und Film und tragen finanziell und organisatorisch zu den großen Festivals bei, die in Bolivien in regelmäßigen Abständen abgehalten werden. 2017 war Deutschland offizielles Gastland der Buchmesse von Santa Cruz de la Sierra.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Bolivien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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